Kontext TV — „Afghanistan - ein notwendiger Krieg?“

Sendung des unabhängigen Nachrichtenmagazin Kontext TV über den Krieg gegen Afghanistan

18.08.2011

Video:Kontext TV
Länge:00:59:26
Kontext TV
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Afghanistankrieg

Gäste der Sendung: 

Marc Thörner: Freier Journalist, Hamburg; Malalai Joya, afghanische Politikerin und Bürgerrechtlerin, Kabul; Niels Annen, Friedrich-Ebert-Stiftung und Mitglied des SPD-Parteivorstands, Berlin; Norman Paech, Prof. em. für Öffentliches Recht und außenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion DIE LINKE von 2005-2009, Hamburg; Phyllis Bennis, Institute for Policy Studies, Washington D.C.

Marc Thörner: Bundeswehr kooperiert mit Warlords und Arbaki-Milizen

Fast zehn Jahre dauert der Krieg in Afghanistan. Zehntausende Afghanen sind getötet worden, die zivilen Opferzahlen steigen weiter, die humanitäre Situation verschlechtert sich zunehmend. Der Aufbau einer Zivilgesellschaft und Demokratie sei offiziell längst nicht mehr Ziel der Besatzung Afghanistans, sagt Marc Thörner. Vielmehr gehe es den US- und Nato-Truppen um militärische Stabilisierung. Dabei kooperiere auch die Bundeswehr mit Warlords und den sogenannten Arbaki-Milizen. Diese begingen Verbrechen gegen die afghanische Bevölkerung und unterdrückten Meinungsfreiheit. Die sogenannte Aufstandsbekämpfung sei dabei ein Rezept aus der kolonialen Mottenkiste, mit der weiterer Fundamentalismus erzeugt werde.

Malalai Joya: Afghanen leben wie in der Hölle / Massive Proteste gegen Besatzungstruppen

Die Besatzungstruppen in Afghanistan begingen Massaker und Kriegsverbrechen gegen das afghanische Volk, sagt die afghanische Politikerin und Aktivistin Malalai Joya. Die Nato und die USA töteten Tausende von Zivilisten wie zum Beispiel in Kunduz und hätten ein Warlord-System in Afghanistan installiert. Die afghanische Bevölkerung protestiere dagegen, doch niemand höre den Menschen zu. Die Karzai-Regierung in Kabul lasse die Verbrechen zu. Es sei ein korruptes Marionetten-Regime der Besatzer. Gleichzeitig werde das Parlament beherrscht von Warlords, Drogenbaronen und Taliban. Ein Abzug der Besatzungstruppen, so Joya, würde zumindest das Rückgrat der fudamentalistischen Warlords brechen und den Bürgerkrieg im Land stoppen helfen.

Ist der Afghanistan-Krieg gerechtfertigt? Kontroverse mit Niels Annen (SPD) und Norman Paech (Die Linke)

Ist der Krieg glaubhaft begründet? Niels Annen vom SPD-Parteivorstand sagt ja. Man habe al-Qaida vertrieben und die Ausbildungslager der Terroristen geschlossen. Der Rechtswissenschaftler Norman Paech von den Linken hält dagegen: Der Krieg verfolge geostrategische Interessen, habe großes Leid über die Afghanen gebracht, Völkerrecht gebrochen und die Region destabilisiert.

Phyllis Bennis: Pakistan als Zielscheibe der USA / Trotz US-Staatsdefizit: Eine Billion Dollar für Krieg

Der Krieg ist nicht legitim begründet, sagt Phyllis Bennis. Die Attentäter von 9/11 ständen in keiner Beziehung zu Afghanistan. Ein Recht auf Selbstverteidigung habe nicht bestanden. Heute gäbe es keine hundert al-Qaida Mitglieder in Afghanistan, demgegenüber insgesamt 250.000 Truppen und Söldner der USA und Nato. Der Krieg werde vielmehr aus strategischen Interessen geführt. Eigentliche Zielscheibe sei Pakistan. Im Zuge der Schuldenkrise in den USA müsse die Forderung nun sein, die eine Billionen Kriegdollar, die die Amerikaner in diesem Jahr vor allem für Afghanistan ausgeben, ins Land zurück zu holen. Die Truppen müßten abgezogen, Reparationen von den Besatzern gezahlt und eine regionale Diplomatie in Gang gesetzt werden.

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