Gaddafi-Tod: Schritt zur Neokolonisierung Afrikas

Interview mit dem mexikanischen Analytiker Luis Gutiérrez Esparza
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Telesur

Moderator: Sprechen wir nun über die Folgen der Ermordung von Muammar Al Gaddafi. Wir sprechen mit Luis Gutiérrez Esparza, Mitglied des Studienkreises für Internationale Beziehungen Mexikos. Herr Gutiérrez, wie wirkt auf Sie diese Aufsehen erregende Ergreifung Gaddafis, der zunächst geschlagen und dann offenbar erschossen wurde. Sind Ihnen ähnliche Fälle bekannt?

Gutiérrez: Nein, es handelt sich hier zweifelsohne um einen weiteren Akt der Barbarei, der unter dem Vorwand begangen wurde, Libyen zu befreien. Der Tod, die Ermordung von Oberst Gaddafi wird von den Verantwortlichen nur schwer zu erklären sein. Ich erinnere mich an keinen vergleichbaren Vorfall, bei dem einem amtierenden Staatschef nach seinem Sturz derartiges widerfahren ist.

Moderator: Laut dem Übergangsrat sind nach dem Tod Gaddafis alle Übel Libyens verschwunden, die NATO hat das baldige Ende ihrer Operationen angekündigt. Was bedeutet das aber, welche Beziehungen bestehen zwischen dem Übergangsrat und der NATO?

Gutiérrez: Es gibt keinen Zweifel daran, dass inmitten der Aufstände in der Maghreb-Region Libyen eine Ausnahmerolle spielt. Hier gab es keine wirklich bedeutende Opposition gegen die Gaddafi-Regierung, die - trotz aller Fehler - ein wohlhabendes und modernes Land aufgebaut hat. Der Nationale Übergangsrat nun ist ein Bündnis von Gruppen, die von Beginn an von der NATO unterstützt wurden. Es ist deswegen zu erwarten, dass sich dieser Rat den Wünschen der USA und ihrer NATO-Alliierten unterordnet. Mit dem Tod von Gaddafi ist Libyen nicht frei von Übel. Das Gegenteil ist der Fall.

Moderator: Um welche Ziele geht es derzeit also in Libyen? Warum war ein Libyen ohne Gaddafi das Wichtigste für die Europäische Union und die NATO?

Gutiérrez: Natürlich sind die Erdölvorkommen in Libyen einer der wichtigen Punkte. Zudem gibt es seriöse wissenschaftliche Studien, nach denen im Süden des Landes massive Wasservorkommen liegen. Es sind womöglich die größten dieser unterirdischen Vorkommen weltweit, die bis in den Sudan reichen. Zahlreiche Strategen des Pentagons gehen schon jetzt davon aus, dass bereits im Jahr 2020 die wichtigsten Kriege um Wasser geführt werden. Die strategische Kontrolle Libyens ist wegen seiner natürlichen Ressourcen, wegen seiner Lage am Mittelmeer und wegen seiner Rolle im Nahen Osten ein wichtiger Schritt in der Neokolonisierung Afrikas. Das ist eines der Ziele der Obama-Regierung und der NATO. Deswegen war es notwendig, Gaddafi aus dem Weg zu räumen und ein willfähriges Regime einzusetzen.

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