Schandurteil der Grand Jury in Ferguson

Polizeigewalt gegen schwarzen Teenager bleibt ungeahndet
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The Real News
Übersetzung: Doris Pumphrey, weltnetz.tv

Eine Grand Jury in Ferguson, Missouri, entschied, den Polizisten Darren Wilson nach der Tötung des unbewaffneten Teenagers Michael Brown nicht anzuklagen. Als Reaktion weiten sich Proteste auf das ganze Land aus, von New York bis zur Goldenen Küste von Oakland, Kalifornien.

Professor Dr. Gerald Horne und Bürgerrechtsaktivist Kevin Alexander Gray über das Urteil der Grand Jury in Ferguson.

"Es war kaum eine Überraschung, weil viele Schwarze – im Gegensatz zu vielen anderen – wissen, dass diese Nation als eine sogenannte Sklavenhalter Republik begann und Misshandlung und Tötung von Schwarzen nichts Neues sind."

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JESSICA DESVARIEUX: Willkommen bei The Real News Network. Ich bin Jessica Desvarieux in Baltimore.

Eine Grand Jury in Ferguson, Missouri beschloss den Polizisten Darren Wilson nicht anzuklagen, nach der Tötung des unbewaffneten Teenagers Michael Brown. Als Reaktion weiten sich Proteste auf das ganze Land aus, von New York bis zur Goldenen Küste von Oakland, Kalifornien.

Um die Grand Jury Entscheidung in den geschichtlichen Zusammenhang zu stellen und zu analysieren, haben wir zwei Gäste.

Zugeschaltet ist Dr. Gerald Horne von Houston, Texas. Er ist Professor für Geschichte und Afroamerikanische Studien an der Houston University.

Ebenso zugeschaltet aus Columbia, South Carolina, Kevin Alexander Gray. Kevin ist Organisator in der Bürgerrechtsbewegung in South Carolina und Mitverfasser des Buches Killing Trayvons: An Anthology of American Violence.

Danke, dass Sie bei uns sind.

Gerald, erst zu Ihnen. Man kann ruhig sagen, dass viele Schwarze von dieser Entscheidung nicht überrascht waren. Welche Bedeutung hat dieser Moment in der Geschichte der Polizeibrutalität gegen Schwarze?

HORNE: Es war kaum eine Überraschung, weil viele Schwarze – im Gegensatz zu vielen anderen – wissen, dass diese Nation als eine sogenannte Sklavenhalter Republik begann und Misshandlung und Tötung von Schwarzen nichts Neues sind.

Wir wissen auch, dass St. Louis, Missouri, die Stadt war, in der der Dred Scott Fall 1857 verhandelt wurde, als das Oberste Gericht der USA behauptete, Schwarze hätten keine Rechte, die Weiße respektieren müssten. Die Entscheidung der Grand Jury war im Grunde nichts anderes.

Wir wissen auch, dass der Staatsanwalt Robert McCulloch unorthodox vorging in dem er die 12 Geschworenen mit Beweisen überschüttete, völlig im Gegensatz zu seinen früheren Fällen. Wir wissen, dass ein Staatsanwalt eine Jury veranlassen kann, selbst "ein Schinkensandwich anzuklagen", wie es mal formuliert wurde - wenn er das will. Das wollte er gewiss nicht in diesem Fall.

Wir wissen auch, dass dies nicht neu ist. Es gibt eine Epidemie von Tötungen durch die Polizei. In Dallas Texas allein, gab es 81 in den letzten 4 Jahren und nur ein Polizist wurde angeklagt. Das ist nicht ungewöhnlich.

Wir wissen schließlich auch, wenn wir diese Epidemie aufhalten wollen, dann müssen wir, die Organisatoren und Menschen die sich Sorgen machen, an die internationale Gemeinschaft appellieren. Es ist doch kein Zufall, dass die Fernsehsender Russia Today in Moskau, CCTV in China, teleSUR in Venezuela, Prensa Latina in Cuba und Press TV in Iran viel treffender und scharfsinniger über den Fall berichten als unsere lokalen und nationalen Nachrichtensender. Wir müssen die Botschaft ernst nehmen.

DESVARIEUX: Sie erwähnten auch die Fähigkeit und Bedeutung des Organisierens. Ich wende mich an Sie, Kevin. Wie bedeutend sind diese Entscheidung und diese ganze Bewegung besonders für schwarze Jungendliche, die gerade Erwachsen werden?

GRAY: Ich bin sehr froh, dass schwarze Jugendliche auf die Straße gehen und den Zusammenhang ihres Kampfes und ihres Lebens mit unserer Geschichte sehen, von der Sklaverei bis zur Rassentrennung. Was wir jetzt sehen, ist vor allem Ausdruck des "Anti-Drogenkriegs", der der Polizei zusätzliche Macht übertrug und der 9/11 und Anti-Terror Gesetze. In den Gefängnissen sehen wir vor allem Schwarze und gewaltlose Drogendeliquenten. Die Leute verstehen die Zusammenhänge ihres Kampfes.

Ob wir diese Gruppen in unserer Community organisieren, um wirklich effektiv im Kampf zu sein gegen Rassismus und weiße Vorherrschaft – denn das ist im Kern, wogegen wir kämpfen. Es geht nicht nur um Misshandlungen durch die Polizei. Es geht um weiße Vorherrschaft, um Rassismus.

Und was die Medien betrifft, Medien die der Aufrechterhaltung des Status quo dienen, die sich auf Rassismus und weißer Vorherrschaft gründen, natürlich ist deren Botschaft, den Status quo zu verteidigen. Dafür sind sie da.

Die Jugendlichen müssen verstehen, dass wir den langen Atem brauchen. Wir brauchen die Disziplin der Bewegung. Wir bekämpfen tatsächlich strukturelle, schwere Probleme. Wir müssen mit diesem "Shoot to kill" umgehen.

Im Fernsehen sagen alle, das Gesetz müsse geändert werden. Was geändert werden muss, ist dass die Polizei nicht länger die Todesstrafe auf der Straße vollziehen kann, ohne Gerichtsverfahren. Darren Wilson erhielt ein ordnungsgemäßes Verfahren, aber nicht Michael Brown. Er wurde vor Ort abgeurteilt und erschossen. Wenn man ihn z.B. für einen Zigarillo Diebstahl angeklagt hätte, hätte er nicht die Todesstrafe bekommen. Wir müssen darüber reden, dass die Polizei die Macht hat zu töten und diese Macht nutzt, um vor allem Schwarze und andere Nichtweiße zu ermorden – durchschnittlich einen in 28 Stunden. Nicht nur schwarze Männer sondern auch schwarze Frauen und Kinder. Es ist außer Kontrolle geraten.

Die Leute müssen jetzt merken, dass neu darüber nachgedacht werden, was Selbstverteidigung in diesem Land bedeutet, wenn die Polizei uneingeschränkte Macht hat ein Todesurteil zu vollziehen, wann immer sie will und dann erklärt es sei gerechtfertigt, man habe ihr Leben bedroht, obwohl die Beweise in den meisten Fällen zeigen, dass es kein Gefahr gab..

DESVARIEUX: Lassen Sie uns über Präsident Obama sprechen, der sich gestern Abend zu dieser Entscheidung geäußert hat. Lassen Sie uns sehen, was der Präsident zu sagen hatte.  sehen.

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BARACK OBAMA: [Ich sage] zu jenen in Ferguson: Es gibt Wege mit Ihrem Unbehagen konstruktiv umzugehen und Wege damit destruktiv umzugehen. Michael Browns Eltern verstehen, was es bedeutet konstruktiv zu sein. Die große Mehrheit der friedlichen Demonstranten versteht es ebenso. Sie, die Sie heute Nacht zusehen, verstehen, dass es niemals eine Entschuldigung für Gewalt gibt, vor allem wenn es so viele gutwillige Menschen da draußen gibt, die sich diesen Problemen widmen wollen.

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DESVARIEUX: Wir haben den Präsidenten gehört. Er sagte, dass die Demonstranten friedlich und ruhig bleiben sollten, ein Aufruf zur Ruhe. Gerald, was halten Sie von den Worten des Präsidenten, vor allem zum Thema 'Ruhe bewahren'.

HORNE: Es überrascht mich nicht. Wir wissen, dass in den letzten Wahlen vor ein paar Wochen, die Rechten bei geringer Wahlbeteiligung gut abgeschnitten haben. Sie fühlen sich stark und lassen ihre Muskeln spielen im Kapitol und anderswo. Man kann die Grand Jury Entscheidung und die ungeheuerlichen Bemerkungen des St. Louis County Staatsanwalts Robert McCullough nicht vom politischen Klima trennen, das aus der niedrigen Wahlbeteilung herrührt. Es scheint, als ob auch Obama betroffen und beeinflusst ist vom niedrigen Interesse an der Wahl und dem militaristischen Signal, das von ihr ausging.

Aber wir, die Organisatoren, wir, die am stärksten davon betroffen sind, brauchen uns nicht davon beeinflussen lassen. Wir brauchen mehr Energie. Es war ermutigend, dass die Eltern von Michael Brown, dem ermordeten Teenager, am Tag nach den Wahlen in Genf waren, um vor der UNO Menschenrechtskommission auszusagen. Es war ermutigend, dass ein hochrangiger Beamter dieser Kommission heute eine Erklärung abgab, in der er die USA anprangerte wegen der Misshandlung von Afroamerikanern, wegen der hohen Inhaftierungsrate, wegen der Tatsache, dass Schwarze überproportional zum Tode verurteilt werden. Vielleicht kann diese Art von internationalem Druck am Ende sogar Präsident Obama dazu zwingen umzudenken.

DESVARIEUX: Was meinen Sie, Kevin? Was halten sie von der Worten des Präsidenten? Denken Sie, er will etwas signalisieren, wenn er davon spricht, wir müssen Ruhe bewahren? Ist die Wut nicht gerechtfertig?

GRAY: Er ist der Präsident des Imperiums. Der Präsident, nicht der Justizminister ist der höchste Vollzugsbeamte dieses Landes. Er wird das sagen, was er sagen muss, um die existierenden Strukturen zu rechtfertigen und aufrechtzuerhalten. Die weiße Vorherrschaft und die Polizeigewalt. Er muss sich der "Polizeibruderschaft" und ähnlicher Organisationen beugen.

Er hat keine moralische Autorität. Er entscheidet jeden Dienstag wer durch Drohnen sterben soll. Er hat das Mord-Programm erweitert. Ihm fehlt die moralische Autorität, um über die Schmerzen zu sprechen, die Nichtweiße durchgemacht haben, auch wenn er selbst ein Nichtweißer sein mag. Fragt die Menschen in Irak, wie fair und wie gerecht die USA sind.

Wir müssen über die Polizeigewalt sprechen, über "shoot to kill", darüber, dass Leuten das Recht übertragen wird, andere Menschen auf der Straße zu ermorden ohne ordnungsgemäßes Verfahren. Die [Grand Jury] Entscheidung ist unfassbar.

Der Präsident ist eine lahme Ente seit seiner Wiederwahl. Er verhält sich unterwürfig gegenüber jenen Leuten, die Nichtweißen das Menschsein absprechen, die ihm sein Menschsein absprechen, obwohl er der Präsident ihres Konzerns ist. Er sollte aufstehen und endlich einen Standpunkt beziehen, bevor er aus dem Amt scheidet, anstatt zu verteidigen, was nicht zu verteidigen ist.

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