Nachruf auf Eckart Spoo

Liebe Genossinnen und Genossen,

als ich Jungsozialist in Frankfurt war, gab es einen Redakteur der damals noch linksliberalen Frankfurter Rundschau, bei dem wir sicher sein konnten, dass auch schärfere Kritik am staatsmonopolistischen Kapitalismus nicht übergangen, dass auch schärfere gewerkschaftliche Positionen zu Wort kamen und dass auch sehr scharfe kritische Fragen gegenüber der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik formuliert werden konnten. Ohne antikommunistische Schere im Kopf, auch nicht die rosa-grünliche! Dies war Eckart Spoo.

Lange arbeitete Eckart in Hannover. Dort hatten wir dann auch mit vielen Freunden seinen 75. Geburtstag gefeiert.

Im Zuge der „Bereinigungen“ der Medienlandschaft, die nach Willy Brandts Rücktritt  einsetzte, wurde dann auch Eckart allmählich bei der FR kaltgestellt. Nach 1955 hatte es bereits schon eine Säuberung der linken Presse gegeben, bei der u.a. der Mitbegründer der Frankfurter Rundschau, der frühere Buchenwaldhäftling, der jüdische Kommunist Emil Carlebach heraus gedrängt worden war.

Unsere Gegner wissen schon, wen sie wann kaltstellen und so konnte dann auch Eckart Spoo nicht mehr lange so weiter publizieren. Er resignierte nicht, wie andere, sondern gründete das wunderbare Heftchen „Ossietzky“, ein handverlesenes Periodikum für gründliche Denker und Fragende. Dann gründeten wir mit Konstantin Wecker, Albrecht Müller, Daniela Dahn, Hermann Scheer, Wolfgang Pieper (Ver.di-Hauptvorstand) das Gegenmedium Weltnetz.tv, wo Eckart die ständige Medienkritik übernahm.

Zwischen „Ossietzky“ und den wenigen verbliebenen wirklich gesellschaftskritischen Medien gab es einen Kooperationsverbund. Vor einigen Tagen hatte ich mein letztes Telefonat mit Eckart und am kommenden Montag wollten wir seinen 80. Geburtstag gemeinsam feiern. Nun bleibt uns nichts anderes, als seiner gedenkend „Ossietzky“ weiter zu verbreiten, seine Artikel vielleicht einmal nachzulesen, Weltnetz.tv weiter zu stärken, und auch mit den „nachdenkseiten“ in unsere Kreisverbände zu gehen. Denn kritischer Geist verraucht ohne feste materielle Basis, standhafte Medien. Gegenwehr will organisiert bleiben.

Traurig, Euer
Diether Dehm

 

Pressemitteilung von Ossietzky

Journalist und Publizist Eckart Spoo gestorben

Der unbequeme Fragesteller wird bleiben

Der Journalist und Publizist Eckart Spoo ist am Donnerstag, dem 15. Dezember, in Berlin gestorben, vier Tage vor seinem 80. Geburtstag. Als Kind erlebte er Krieg und Faschismus in seiner Geburtsstadt Mönchengladbach und im Fluchtort Harz; dies hat sein ganzes Leben geprägt. Mehr als drei Jahrzehnte schrieb er als Korrespondent der Frankfurter Rundschau Zeitungsgeschichte. Er galt als unbequemer Fragesteller in Pressekonferenzen und deckte manchen Skandal auf. Von 1970 bis 1986 war er Vorsitzender der Deutschen Journalisten-Union (dju).

Pressefreiheit, auch die „innere Pressefreiheit“ in den Redaktionen und die damit erforderliche Abschaffung des Tendenzparagraphen waren Forderungen, die den Journalisten Spoo bis zu seinem Tode umtrieben. Die voranschreitende Monopolisierung der Zeitungsverlage und die damit einhergehende Vereinheitlichung und Verflachung der Zeitungslandschaft prangerte er an.

Spoo sah die Pressefreiheit vom Grundrecht für alle zum Privileg einiger weniger Pressekonzerne verkommen, deren Eigentümer ihre Aufgaben darin sehen, den Kapitalismus und die von ihm geschaffenen gesellschaftlichen Verhältnisse zu rühmen und vor Kritik zu schützen – auch durch Verschweigen von Tatsachen, Verleugnen von Wahrheiten – und aus diesem Missbrauch der Pressefreiheit möglichst viel Profit zu ziehen. Spoo hielt publizistische Monopole für verfassungswidrig.

In der Konsequenz gründete er 1997 zusammen mit weiteren Publizisten eine eigene Zeitschrift: Ossietzky. Die Zweiwochenschrift für Politik, Kultur und Wirtschaft steht in der antimilitaristischen und antifaschistischen Tradition der Weltbühne. Spoos Anspruch als langjähriger Ossietzky-Chefredakteur: jedes Heft voller Widerspruch gegen angstmachende und verdummende Propaganda, gegen Sprachregelungen, gegen das Plattmachen der öffentlichen Meinung durch die Medienkonzerne, gegen das vermeintliche Recht des Stärkeren und gegen die Gewöhnung an den Krieg. Zu diesen Themen veröffentlichte er auch eine Vielzahl aufklärerischer Bücher. Verlag und Redaktion Ossietzky werden Spoos Vermächtnis fortführen.

Willkommen sind Spenden für eine Traueranzeige mit Kennwort "Spoo" und Angabe des Spendernamen auf das Konto:

Ossietzky Verlag

IBAN DE78 2505 0180 0000 1631 12

BIC SPKHDE2HXXX

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