Afghanistan ist das am meisten vom Krieg zerrüttete Land der Welt

Eine Rede der afghanischen Aktivistin Malalai Joya zum zehnten Jahrestag des NATO-Krieges und der Besatzung Afghanistans
Video: 
Copyright © 2011 Malalai Joya
Länge: 
00:04:27

Ich danke allen Unterstützern der Anti-Kriegsbewegungen weltweit, die den schwarzen Tag der Besatzung Afghanistans durch die USA und die Nato kennzeichnen.

Verehrte Freunde: Vor zehn Jahren sind die USA und die Nato unter der falschen Flagge der Frauenrechte, Menschenrechte, und der Demokratie in mein Land eingefallen. Doch nach einem Jahrzehnt ist Afghanistan noch immer das unzivilisierteste, korrupteste und am meisten vom Krieg zerrüttete Land der Welt. Die Folgen des sogenannten Kriegs gegen den Terror bestehen in noch mehr Blutvergießen, Verbrechen, Barbarei, Verletzungen der Frauen – und Menschenrechte, die das Elend und das Leid der Menschen verdoppelt haben.  

In diesen blutigen Jahren wurden Zehntausende unschuldiger Zivilisten durch Besatzungstruppen und terroristischen Gruppen getötet. Als Barack Obama 2008 sein Amt antrat, waren seine ersten Nachrichten unglücklicherweise noch mehr Konflikt und mehr Krieg. Unter Obamas Amtsführung stieg die Zahl der Todesopfer um 24 %.

Und das Ergebnis des massiven Truppen-Anstiegs unter Obamas Administration sind mehr Massaker, mehr Verbrechen, Gewalt, Zerstörung, Schmerz und Tragik. Insofern hat er sich als Kriegstreiber herausgestellt - als zweiter - noch gefährlicherer - Bush.

Dem Afghanistan Right Monitor zufolge wurden im Jahr 2010 7 Zivilisten pro Tag getötet. Die USA und die NATO erklären, sie würden Afghanistan bis Mitte des Jahres 2014 verlassen, andererseits sprechen sie jedoch von dauerhaften US-Militärstützpunkten in Afghanistan. Sie werden unser Land nicht so bald verlassen. Sie treten für ihre eigenen strategischen regionalen und wirtschaftlichen Interessen ein. Deshalb wollen sie Afghanistan zu einem militärischen und geheimdienstlichen Stützpunkt in Asien umbauen.

Die westlichen Regierungen verraten nicht nur das afghanische Volk, sie verraten auch ihre eigenen Leute. Sie stecken ihre Steuergelder in das Blut ihrer Soldaten, indem sie einen Krieg unterstützen, der nur die Interessen der großen Konzerne und der afghanischen War Lords verfolgt.

Ich denke, Demokratie wird nie durch militärische Invasion erzielt. Demokratie ohne Unabhängigkeit und Gerechtigkeit ist bedeutungslos. Nur die Nation selbst kann sich befreien.

Ich glaube, dass der einzige Ausweg aus der katastrophalen Situation in Afghanistan ein Rückzug aller Truppen aus unserem Land ist, weil ihre Anwesenheit unseren Kampf für Gerechtigkeit und Frieden erschwert. Die Stärkung der reaktionären terroristischen Gruppen stellt ein großes Hindernis für echte demokratisch Gesinnte dar. Ein ehrlicher Rückzug aus Afghanistan wird das Rückgrat der fundamentalistischen Warlords in Taliban brechen.

Ich hoffe, eines Tages wird auch Afghanistan einen so glorreichen Aufstand wie die Länder des Nahen Ostens erfahren. Im Augenblick erleben wir den kleinen Aufstand in einigen Provinzen Afghanistans, wie Herat, Kunar, Nangarhar, Mazar-e-Sharif, Farah, Kabul, und vielen anderen Provinzen, die eine große Quelle der Hoffnung für die Zukunft Afghanistans sind.

Ich möchte alle Friedliebenden, Gerechtigkeits-Suchenden, die Anti-Kriegs-Bewegungen und demokratisch gesinnte Intellektuelle, Menschen auf der ganzen Welt, bitten, ihre Hände den demokratisch gesinnten Menschen in unserem Land zu reichen. Sie sind in der Lage, gegen den Fundamentalismus und die Besatzung zu kämpfen. Deshalb ist meine Botschaft an Sie, bitte verschaffen Sie meinem Volk Zugang zu Bildung, denn Bildung ist, wie ich glaube, ein Schlüssel gegen Ignoranz und zur Emanzipation.

Vielen Dank.

Es lebe die Freiheit. Nieder mit der Besatzung!

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