Democracy Now! -- “Barriere der Angst ist durchbrochen”

Die Proteste gegen die ägyptische Regierung und den Präsidenten Mubarak weiten sich trotz massiver Repression aus.
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Democracy Now!

Inspiriert vom Erfolg der Opposition in Tunesien gehen immer mehr Menschen aller Gesellschaftsschichten auf die Straßen. Democracy Now! befragte den Korrespondenten des britischen Guardian, Jack Shenker, zur Dynamik der Proteste und zur Rolle des Oppositionspolitikers El Baradei sowie der oppositionellen Muslimbruderschaften.

Inspiriert vom Erfolg der Opposition in Tunesien gehen immer mehr Menschen aller Gesellschaftsschichten auf die Straßen. Democracy Now! befragte den Korrespondenten des britischen Guardian, Jack Shenker, zur Dynamik der Proteste und zur Rolle des Oppositionspolitikers El Baradei sowie der oppositionellen Muslimbruderschaften.

 

Das Regime des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak und seiner Partei NDP (National Democratic Party), das seit 1981 autoritär regiert, ist innerhalb weniger Tage unter Druck geraten. Wachsende ökonomische und soziale Probleme, politische Unterdrückung und die Korruption der ägyptischen Eliten sorgten zwar seit Jahren für zunehmenden Unmut in der Bevölkerung, der jedoch vom Repressionsapparat erstickt wurde. Nachdem Massenproteste im Nachbarland Tunesien die Flucht des langjährigen de facto-Diktators Ben Ali erzwangen, protestieren auch in Ägypten immer mehr Menschen. Innerhalb einer Woche weiteten sich die Proteste von Kairo landesweit aus, obwohl das Regime mit aller Härte gegen die Demonstranten vorgeht. Democracy Now! interviewte den Korrespondenten der britischen Zeitung The Guardian, Jack Shenker, zur aktuellen Lage. Als Augenzeuge der Proteste in Kairo am letzten Dienstag, an denen über 15.000 Menschen teilgenommen hatten, war Shenker selbst von Sicherheitskräften verhaftet und geschlagen worden.

 

Shenker, der seit einigen Jahren in Kairo lebt, unterstrich die neue Dynamik der Proteste, die von immer breiteren Teilen der ägyptischen Gesellschaft getragen werden: Obwohl der Sicherheitsapparat mit aller Härte – mit Gummigeschossen, Wasserwerfern und willkürlichen Festnahmen – versuchte, die Demonstrationen zu unterdrücken, beteiligten sich nun zunehmend auch Angehörige der Mittelschichten an den Protesten. Dass diese Menschen, die „durchaus einen gewissen Lebensstil genießen und über der Armutsgrenze leben, nun [trotz der Polizeigewalt] motiviert sind, auf die Straße zu gehen, markiert einen bemerkenswerten Wandel gegenüber den letzten Jahren.“ Dass die „Barriere der Angst“ offenbar durchbrochen ist, führt Shenker auch auf die Ereignisse in Tunesien zurück. Die anhaltende Macht und die Ausweitung der Proteste erklärt er vor allem mit dem Erfolg der Demonstrationen am Dienstag: „Den Ägyptern wurde unter den Ausnahmegesetzen jahrzehntelang die Kontrolle über die Straßen verweigert. Die erfolgreiche Rückeroberung hat die Menschen entscheidend ermutigt.“

 

Befragt zum im Westen bekanntesten Oppositionspolitiker, dem früheren Chef der Internationalen Atomenergiebehörde der UN und Nobelpreisträger, Mohamed El Baradei, zeichnet Shenker ein differenziertes Bild: Vor allem unter Aktivisten der Oppositionsbewegung werde El Baradei durchaus kritisch gesehen, da er sich im letzten Jahr vorwiegend im Ausland aufgehalten habe, anstelle die Bewegung im Land zu unterstützen. Gleichwohl genieße er aufgrund seiner Regimekritik und seines Einsatzes nach wie vor große Popularität.

 

Geradezu „schizophren“ sei zurzeit noch die Rolle der Muslimbruderschaften, der wichtigsten oppositionellen Organisation Ägyptens. Während der konservative Führungsrat der Bruderschaften die Proteste anfangs klar verurteilt hatte, gewinnen in der Organisation derzeit die Stimmen an Gewicht, die sich den Forderungen der Protestbewegung anschließen und Allianzen mit progressiven und säkularen Gruppen sowie mit christlichen Gemeinden der Kopten eingehen wollen. Sollte die Führung der Muslimbruderschaften ihre Position korrigieren, habe dies aufgrund der großen Mobilisierungsfähigkeit der Organisation entscheidende Auswirkungen auf die Erfolgsaussichten der Proteste.

 

Weiterführende links:

Uprising in Egypt.

http://www.democracynow.org/2011/1/28/uprising_in_egypt_this_is_the

Guardian Journalist Arrested and Beaten

http://www.democracynow.org/2011/1/27/guardian_reporter_arrested_and_beaten_alongside

Thousands Protest in Egypt in Largest Popular Challenge to Mubarak in 30 Years

http://www.democracynow.org/2011/1/26/thousands_protest_in_egypt_in_largest

 

Text: Björn Aust / weltnetz.tv

Die Proteste gegen die ägyptische Regierung und den Präsidenten Mubarak

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