Im Elisée regiert vielleicht eine Frau

Emmanuel Macron

Wer von links-feministischer Kulturhegemonie träumt, erhält vom neuen französischen Präsidentenehepaar eine Lektion darüber, worin der Unterschied zwischen Träumen und Tun liegt. Die Macrons erzählen der Öffentlichkeit eine äußerst romantische Geschichte ihrer Beziehung: eine schon lang währende Liebe zwischen einem extrem jüngeren Mann und einer extrem älteren Frau. 24 Jahre Altersunterschied wäre im umgekehrten Fall nicht wirklich ungewöhnlich, wird mittlerweile aber sozial weniger akzeptiert, insbesondere mit dem Argument, dass man noch nie vom umgekehrten Fall gehört hätte. Zwar kommt es vor, dass junge Männer erheblich ältere, sozial abgesicherte Witwen heiraten, aber mit der Beständigkeit einer solchen Beziehung sieht es wenig überzeugend aus. Die Macrons können jedoch auf eine schon jahrzehntelang bestehende Beziehung zurückschauen, die 2007 in die Ehe mündete. In ihr soll Madame immer die Bestimmerin gewesen sein – nur in einem nicht: was den Beginn der Beziehung betrifft. Denn hier darf der sozial immer stärker geächtete Verdacht des Missbrauchs eines Minderjährigen gar nicht erst aufkommen. Es war also der fünfzehnjährige Schüler Emmanuel, der in seiner Französischlehrerin eine ebenso schöne wie souveräne und sicher auch geistvolle Intellektuelle bewunderte und in seinem Wunsch, sie zu besitzen und schließlich auch zu heiraten, einfach nicht locker ließ. Und eine Lehrende soll Brigitte für ihn bis heute geblieben sein; angeblich konsultiert er sie zu allem und jedem. Dass weibliche Intelligenz für Macron unverzichtbar ist, wird auch durch die publik gemachte Geschichte suggeriert, dass sich das Kind Emmanuel oft unter der Obhut seiner  Großmutter befand und von ihr nicht nur im Lernen unterstützt, sondern auch intensiv in klassische Lektüre eingeführt wurde. Was auch noch dem Pubertierenden so gut gefiel, dass er ganz zu seiner Oma zog.

Die offizielle Biografie des neuen Präsidenten, der ja in seiner Wahlkampagne immer betont hat, weder ´rechts` noch ´links` zu sein, hält doch noch einiges Futter für Leute bereit, die sich eher konservativ situieren. Aus einem atheistischen Elternhaus stammend, hat der zwölfjährige Emmanuel durchgesetzt, dass er sich taufen lassen durfte und seitdem ist er guter Katholik. Sein  politisches Programm, das vor allem die radikale Verschlankung des Sozialstaats nach deutschem Vorbild anpeilt, trägt auch eine eindeutig rechte Handschrift.

Aber die Aufwertung der reifen, der sehr reifen, ja sogar der alten Frau – gehört fest ins Programm des neuen französischen Präsidenten. Das ist bei ihm keine Worthülse, er kann es als gelebtes Leben präsentieren. Was daran wirklich echt oder nur Fassade sein mag, ist gleichgültig für die Wirkung, die davon ausgeht. Denn es korrespondiert mit alten Träumen und Forderungen der Emanzipationsbewegungen und stellt damit wieder einmal eine geglückte Diskurspiraterie der Rechten in linken und feministischen Gewässern dar. Noch einmal ist es also die Rechte, die linke und auch feministische Kulturträume realisiert. Expräsident Hollande, der sich als Linker ausgab, fiel nichts Originellers ein, als sich, je älter er wurde, immer jüngere Partnerinnen zuzulegen. Die letzte in den Eliysée mitzunehmen, wagte er nicht mehr.                  

Inwieweit die Verfassungshüter der französischen Republik auf Dauer einen Präsidenten dulden, der womöglich wesentliche Einflüsterungen von seiner nicht vom Volk gewählten Gattin erhält, wird erst die Zukunft zeigen. Denn das Ganze sieht auch ein bisschen aus wie eine Rückfall in eine Etappe des monarchischen Zeitalters, als Madame de Pompadour das Zepter Ludwigs XV. dirigierte  und nicht nur großen Einfluss auf die Geschicke Frankreichs nahm, sondern sogar auf die militärischen Unternehmungen.

Die ´Mittel der Frau` sind ja äußerst vielfältig. Das Kostümchen, das Madame Brigitte trug, als sie den Vorhof des Élysée durchschritt, war von fast dem gleichen Hellblau wie das Gewand, das Missis Malania bei der Amtseinführung ihres Donald trug. Womöglich war das ein Wink, dass Macron auf keinen Fall gewillt ist, in die Fußtapfen des seligen Präsidenten De Gaulle zu treten, der Frankreich für Jahrzehnte aus der NATO herausgelöst hatte.

Weitere Beiträge mit: 
Emmanuel Macron