RT-Deutsch: "Gleich mit der Propaganda-Keule begrüßt"

Iwan Rodionow, Chefredakteur von RT Deutsch, im Gespräch mit weltnetz.tv
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weltnetz.tv
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00:25:26
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Ohne viel medialen Wirbel ist der deutschsprachige Service des russischen Auslandsfernsehens RT (ehemals Russia Today) in der ersten Novemberwoche online gegangen. Das Team besteht nur aus einem halben Dutzend junger Journalisten und produziert zunächst nur für die Internetseite. Dennoch war das mediale Echo auf die Initiative enorm – negativ. Fast Unisono wurde das Medienprojekt verrissen. Deutsche Journalisten und Branchenvertreter gingen dabei wenig zimperlich vor. Kaum ein Artikel kam ohne den Propaganda-Vorwurf aus, andere berichteten abfällig über die "besonders kurzen Röcke" der Moderatorin. Weltnetz.tv genügte das nicht. Wir wollten von Iwan Rodionow wissen, wie er zu den harschen Vorwürfen seiner deutschen Kollegen steht, wie unabhängig die redaktionelle Arbeit ist und um welche Inhalte es bei dem Projekt gehen wird. Viele Vorwürfe seien geäußert worden, ohne dass die Kritiker das Programm angeschaut haben, sagte er: "Wir wurden gleich mit der Propaganda-Keule begrüßt."

Sehen Sie hier Weltnetz.tv-Redakteur Harald Neuber im Gespräch mit Iwan Rodionow.

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Herr Rodionow, Sie sind mit RT Deutsch angetreten, um wie Sie schreiben dem "einseitigen und oft interessengeleiteten Mainstream" etwas entgegenzusetzen. Warum brauchen wir Deutschen ein russisches Medium dafür? 

Das soll der Zuschauer entscheiden, ob er noch einen Sender braucht oder nicht. Im Moment zeigen die Zahlen – die Abrufe und die Klicks –, dass es für ein Medium wie RT Deutsch durchaus Platz gibt. Obwohl es sehr verpönt ist, wie die jüngsten Artikel in der Zeit und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zeigen ... 

 

Auf diese Berichterstattung kommen wir gleich noch. 

... aber die Entscheidung liegt beim Zuschauer.

 

Wenn wir uns andere staatlichen Auslandssender wie die BBC oder die Deutsche Welle ansehen, dann wird deutlich: Die berichten über die jeweilige Landespolitik für das Ausland. Sie hingegen berichten aus russischer Perspektive über Deutschland. Funktioniert das? 

Ja, RT Deutsch ist eben ein deutsches Medium, von deutschen Journalisten produziert, für deutsche Mediennutzer.

 

Welche redaktionellen Schwerpunkte wird RT Deutsch denn verfolgen? Welche Kernthemen haben Sie? 

Das haben wir gleich in der ersten Sendung angesprochen, zu diesen berühmten Bildern von Wladimir Putin beim Fischfang, Putin mit einem Amurtiger und Putin beim Judo. Das sind unsere drei größten Themen.

 

Sie haben das ein bisschen ironisch aufgezogen. Aber mal ernsthaft: Welche Themen wird RT Deutsch verfolgen? 

Das war natürlich nicht nur ein bisschen ironisch, sondern das war von vorne bis hinten ironisch. Und das ist der einzige Weg, auf dem wir den Vorwürfen gegen RT Deutsch begegnen können. Und zwar Vorwürfen, die geäußert wurden, ohne ins Programm reingeschaut zu haben. Wir wurden gleich mit der Propaganda-Keule begrüßt.

 

Und die Vorwürfe waren ja nicht zimperlich. Da war von ,"Propaganda" die Rede und von Verzerrung". Es hieß ich meine von den "Reportern ohne Grenzen" sogar, Sie seien gefährlich. Wie gefährlich sind Sie, Herr Rodionow? 

Ich bin sehr gefährlich, total gefährlich. Ich bin hier mit dem Team meiner Kollegen dafür da, um dieses monolithische Meinungsbild zu zerstören und eine andere Perspektive in dieser Medienlandschaft zu gewähren. Und das ist anscheinend eine Gefahr für den ach so unbedarften, naiven Mediennutzer, dem es nicht zugetraut wird, sich aus dem bestehenden Medienangebot schlau zu machen. Dieser Mediennutzer muss offenbar mit direkten Hinweisen geschützt werden: "Hallo, hier ist Propaganda, hier ist Lüge, dort sind die Guten; hier sind die Bösen, hier ist schwarz, dort ist weiß."

 

Nun haben Sie eben gesagt, RT Deutsch wird von deutschen Journalisten gemacht. Aber Sie bekommen ja Geld, Sie werden finanziert aus Russland, aus Moskau! 

Es sind deutschsprachige Journalisten. Unsere Moderatorin etwa ist eine Deutsch-Brasilianerin mit amerikanischer Bildungsprägung und schwäbischer Sozialisierung. Wir haben unseren Reporter Nikolaj Gericke, der aus der Schweiz stammt, mit rumänischen Wurzeln und der auch in Amerika aufgewachsen ist. Deutsch heißt, dass sie sich über ihre Kultur und ihre Sprache identifizieren. Das sind Beispiele dafür, dass es ein sehr internationales Team ist. 

 

Aber wie funktioniert das denn mit den redaktionellen Inhalten? Entscheiden Sie das selbst oder stimmen Sie das mit Ihrer Mutterredaktion, mit RT International, ab? 

Nun, laut den deutschen Medien soll ich eine Hotline zu einem Kreml-Bunker haben, von wo aus alle Themen vorgelegt werden. Wir haben also gar kein Problem damit, die Themen für den Tag zusammenzutragen, weil wir ja schon alles vorgesetzt bekommen. Aber wie Sie sehen, musste ich auch Sie heute hinhalten, weil wir andauernde redaktionelle Besprechungen haben. Mal fällt ein Gast raus oder ein anderer muss kurzfristig absagen, dann müssen wir vieles umstellen. Alles, was wir produzieren, alle Themen, die wir ansprechen, werden in diesen redaktionellen Konferenzen in einem relativ kleinen Raum unten in diesem Gebäude entworfen, besprochen und umgesetzt. Bei einem Team aus sechs Journalisten, die diese Sendung produzieren, und Vieren, die Inhalte für die Webseite produzieren, wirkt das manchmal schon fast klaustrophobisch. In diesem kleinen Raum, in den ich Sie wegen Platzmangels noch nicht einmal einladen kann, werden die ganzen Inhalte besprochen, entworfen und dann auch umgesetzt.

 

Nun war aber trotzdem zu lesen, der Iwan Rodionow, das ist ein Kreml-Propagandist. Was entgegnen sie denn solchen Stimmen? 

Warum muss ich denen etwas entgegnen? Sie können mich für einen Kreml-Propagandisten halten. Dazu braucht man ja auch keine Belege vorlegen. Er ist eben ein Kreml-Propagandist. Das reicht schon. Es reicht ja auch schon, zu behaupten, der eine oder andere sei ein Verschwörungstheoretiker. Oder, besser noch, ein Antisemit. Das wäre noch eine Steigerung. Aber Kreml-Propagandist, das ist so ungefähr die Stufe eins von diesem Treppchen, bei dem man keine Beweise schuldig ist. Ich vertrete RT Deutsch, ich vertrete hier eine andere Perspektive, eine andere Meinung. Und damit katapultiere ich mich selbst in die Ecke der Propagandisten. Anders: Ein Propagandist ist offenbar nur anderer Meinung.

 

In Ihrer ersten Sendung sind Sie ausschließlich ironisch mit der Kritik an Ihnen umgegangen. Aber ist diese Diffamierung, diese sehr unfaire Berichterstattung durch hiesige Medien nicht auch ein Problem wenn es etwa darum geht, Interviewpartner zu finden? 

Ich sehe in der Art, in der über RT Deutsch berichtet wird, überhaupt kein Problem. Das ist ein Problem der Berichterstatter. Aber anscheinend hat sich da recht viel Galle angestaut, die jetzt auf RT Deutsch abgelassen wird. Das nehmen wir ganz locker und entspannt hin. Was aber unsere Gäste angeht: Wir setzen meistens auf Gäste, die von den Mainstream-Medien übergangen werden, die ignoriert werden. Das jüngste Beispiel ist dieser Gysi-Skandal im Bundestag. Niemand hat bei diesen vermeintlichen Israel-Hassern nach einem Interview gefragt. Bei der BILD wurden sie ausdrücklich mit einer Absage abserviert: "Nein, wir wollen Eure Meinungsäußerung gar nicht, wir wollen Euch nicht interviewen, wenn wir Euch als Antisemiten und Israel-Hasser darstellen." Dabei ist das absurd. Beide sind Juden, der eine Israeli, der andere Amerikaner. Wir haben einen von ihnen, nämlich Max Blumenthal, in unser Studio eingeladen, um ihn zu befragen. Das heißt, mit diesem alternativen Ansatz haben wir bei der Gästeauswahl noch keine Probleme. Wenn es um Politiker geht, dann stellt sich natürlich die Frage, wie der jeweilige Gast das empfindet und ob sein Auftritt bei RT Deutsch so eine Art Stigma sein könnte.

 

Wobei man zu Blumenthal sagen muss, dass er durchaus auch von der taz interviewt wurde. Aber gut, auch Sie hatten ihn im Studio. Wie viele Interviewabsagen haben Sie denn für Ihre ersten Sendungen bekommen? 

Ich habe die nicht gezählt. Aber wie in jeder Medienredaktion haben Gäste aus ganz unterschiedlichen Gründen abgesagt. Bisher wurden aber kein einziges Mal Berührungsängste mit RT Deutsch als Grund für eine Absage angeführt. Damit haben wir bislang noch nicht zu tun gehabt ...

 

... wobei der Chefredakteur der Seite netzpolitik.org in einem Artikel erklärt hat, dass er Ihnen kein Interview geben wird, weil Sie ja ein Propagandamedium seien. 

Ich glaube nicht, dass wir beim Chefredakteur von netzpolitik.org schon einmal nachgefragt haben. Aber selbst wenn wir das getan haben und er uns nun absagt und das zur Selbstdarstellung verwendet, um sich als "Gegenpropagandisten" ins Szene zu setzen, dann sei ihm das gegönnt. Aber wäre es dann nicht logischer, wäre es nicht zweckdienlicher, sich mit RT Deutsch direkt auseinanderzusetzen? Wir sind dafür offen. Wir laden wirklich gerne Gäste mit allen Standpunkten und allen Perspektiven zu uns ein.

 

Ich komme gleich noch einmal auf diese unterschiedlichen Perspektiven zu sprechen. Herr Rodionow, war es nicht aber auch ein Problem, dass Ihr Projekt quasi mit einer Generalattacke auf die deutschen Medien, auf die deutschen Journalisten gestartet ist? Sie haben ja zu Beginn gesagt, Sie vertreten hier eine andere Perspektive, weil die deutschen Medien, die deutschen Journalisten dazu nicht fähig sind. Verstehen Sie als Journalist diese Abwehrmechanismen nicht auch? 

Soll das eine Attacke sein? Im Fall der Ukraine haben die Medien von links bis rechts alle so tendenziös und einseitig berichtet, dass es wirklich über jedes Maß hinausging. Die Medien sind in eine Art Wagenburgmentalität verfallen, als sie sich gegen die eigenen Zuschauer und Nutzer aggressiv mit der Behauptung verteidigt haben, alle, die sie wegen Einseitigkeit kritisieren, seien entweder bezahlte Putin-Trolle oder notorische Putin-Versteher. Und all das widerspiegele gar nicht das eigentliche Meinungsbild in Deutschland. Soll unsere Haltung vor diesem Hintergrund eine Attacke sein? Es ist eine andere Perspektive, wir bieten eine andere Plattform zur Meinungsäußerung und eine Möglichkeit, für diejenigen, die sich in der aktuellen deutschen Medienlandschaft nicht ausreichend informiert fühlten sollten, sich anderweitig zu informieren. Keiner wird ja gezwungen, auf RT Deutsch zu klicken oder sich unsere Sendung reinzuziehen.

 

Kommen wir mal zu den Interviewpartnern, weil das in den Berichten auch immer wieder eine Rolle spielt. Bei RT International, also dem englischsprachigen Hauptprogramm, sind immer wieder rechtsgerichtete Akteure eingeladen worden. Auf welche Interviewpartner orientieren Sie? 

Wir hatten den Politiker der Linksfraktion, Diether Dehm, zu Gast. Dann den eurokritischen Wirtschaftswissenschaftler Markus Kerber. Dann hatten wir – gleich in der ersten Sendung – den Oberstleutnant a.D. der Luftwaffe, Jochen Scholz, und den ehemaligen ostdeutsche Top-Agenten Rainer Rupp, alias Topas. Ist das jetzt ausreichend, um ein Bild zu vermitteln, welche Gäste wir einladen?

 

Ja, das waren ja schon einige Beispiele. Sie haben in einem Interview aber auch gesagt, Sie hätten kein Problem, Politiker der Alternative für Deutschland einzuladen ... 

Hatten wir auch.

 

... weil diese durchaus ein Spektrum der deutschen Bevölkerung repräsentieren würden. 

Gerade in der vorletzten Sendung hatten wir ein Skype-Interview mit dem Vorsitzenden der AfD in Berlin. Ich sehe da persönlich kein Problem. Solange diese Partei in Deutschland im rechtlichen Rahmen agieren darf und solange diese Partei eben auch einen Teil der deutschen Bevölkerung vertritt, ist es für mich vertretbar, einem Mitglied dieser Partei eine Plattform zu bieten. Wir machen das, ohne – wie das in den deutschen Medien geschieht, wo ja durchaus auch AfD-Vertreter zu Wort kommen – das gleich einzubetten in bevormundende Hinweise, dass es sich ja um Rechtspopulismus handele. Bisher müssen ja neben einer AfD-Äußerung mindestens drei Gegenäußerungen stehen, damit dieser arme, naive und nicht genug emanzipierte Mediennutzer nicht in seinen Grundfesten erschüttert wird.

Bei uns soll der Mediennutzer selbst entscheiden: Wo ist Rechtspopulismus, wo ist Linkspopulismus, wo ist gar kein Populismus? Aus diesen Meinungen, die ungefiltert auf unserer Seite erscheinen, soll sich der Nutzer selbst eine Meinung zusammensetzen. Wir beanspruchen für uns, den fehlenden Teil zum Gesamtbild zu liefern.

 

Diese Argumentation, die AfD vertrete einen Teil der Bevölkerung, ist ja erst einmal nachvollziehbar, sie trifft aber auch für die NPD zu. Wo ziehen Sie denn eine Linie bei rechten Akteuren? 

Bei der NPD sehe ich – im Gegensatz zur AfD – den Unterschied darin, dass die NPD viel weiter rechts gelagert ist. Die Statistiken zeigen, dass die meisten AfD-Wähler aus dem CDU-Sektor kommen, also aus dem Mitte-Rechts-Spektrum der Wählerschaft, aber auch aus dem Lager der Nichtwähler und von der linken Flanke. Die haben relativ geringe Schnittmengen mit der NPD. Deswegen haut für mich diese Parallele auch nicht hin. Die AfD und die NPD werden von den Medien zwar in einen Topf geworfen, aber – korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege – nach den Statistiken bedienen sie eine ziemlich andere Wählerschaft, als die krass rechts außen liegende NPD, die einen oder 1,5 Prozent bekommt. Wobei es schon ein Skandal ist, wenn eine NPD mehr als ein Prozent bekommt. Die AfD hingegen schafft bei Landtagswahlen aus dem Stand schon mal zehn Prozent. Und mit so einem Ergebnis muss man ja erstmal leben. Ich fände es schon etwas ungelenk, etwas plump, wenn man das alles von vornherein in die rechte Ecke schiebt und verschweigt, woher diese zehn Prozent kommen. Das entsteht ja nicht aus einem Vakuum, sondern es speist sich aus Themen, die die großen Parteien sträflich vernachlässigen und einer AfD überlassen. Man kann 300.000 Wähler in Thüringen oder Brandenburg nicht einfach als unterentwickelt abstempeln. Mit Verlaub, ich denke, das ist zu kurz gegriffen.

 

Also halten wir fest: Die AfD kommt bei Ihnen zu Wort, die NPD kommt bei Ihnen nicht zu Wort. 

Die AfD kommt bei uns zu Wort. Bei der NPD kann ich mir nicht vorstellen, wie wir eine Meinungsäußerung in unserer Sendung verwenden könnten. Theoretisch möglich. Von der NPD – wobei der Name ja schon für sich selbst spricht – könnten wir auch mal ein Zitat, einen O-Ton verwenden. Das ist nicht auszuschließen. Die NPD kommt ja auch in den großen Medien hin und wieder zu Wort.

Oder etwa bei dem Thema Ukraine, wo doch die NPD eine Schwesterpartei der notorischen national-sozialen Swoboda-Partei ist. Diese Partei darf in der Ukraine mitregieren, was von den deutschen Medien sehr unkritisch betrachtet wird. Da kann ich mir schon vorstellen, das Thema anzusprechen. Wir würden das anreißen: Dass die NPD hier genau das Gedankengut vertritt, für das die Swoboda in der Ukraine steht, wobei es doch immer heißt, die Swoboda stünde, wie auch die anderen Maidan-Parteien, für die europäischen Werte.

 

Herr Rodionow, was werden wir denn bei Ihnen erfahren, was dem einseitigen Mainstream in Russland entgegensteht? Oder ist in Russland alles okay? 

Ich denke, wir leben in einer Medienwelt, wo nirgends alles okay ist. Aber als deutsches Medium sind wir primär auf den deutschen Nutzer und auf den deutschsprachigen Raum ausgerichtet. Man kann natürlich über die Mediensteuerung oder die Einseitigkeit der russischen Medien berichten. Was übrigens aus meiner Sicht, als jemand, der als Muttersprachler die russischen Medien verfolgt, nicht stimmt. Wenn man hinter die Fassade von zwei, drei großen Sendern schaut, dann findet man eine sehr große Vielfalt, auch zum Thema Ukraine, die ich in Deutschland vermisse. Aber abgesehen davon: Ich denke, dass das Russland-Bashing in deutschen Medien in einem solchen Maße vorhanden ist, dass unsere bescheidene Stimme hier gar nicht ins Gewicht fallen würde. Diejenigen, die sich informieren möchten, wie die Medien in Russland geknebelt, gesteuert und unterdrückt werden, die können sich durchaus bei der BILD, bei der Tagesschau, beim Spiegel oder bei der FAZ bedienen. Vielleicht wären sie etwas enttäuscht, wenn sie auf RT Deutsch klickten und dort auch auf solch plumpe Behauptungen träfen. Etwa, dass der Mord an Politkowskaja zeige, dass Journalisten von der russischen Regierung verfolgt werden. Da muss man sich mit dem Fall schon ein bisschen mehr auseinandersetzen, um der Wahrheit näherzukommen.

Aber auch das einmal dahingestellt: Wir versuchen, den fehlenden Part zu liefern und ich glaube, Russland-Bashing und, vorsichtig gesagt, Kritik an russischen Medien ist auch schon ohne uns zur Genüge vorhanden.

 

Sie haben es Anfangs erwähnt: In Ihrer Redaktion arbeitet derzeit rund ein halbes Dutzend Journalisten. Ist das nicht etwas wenig, um dem Anspruch gerecht zu werden? 

Wir haben dieses Projekt jetzt mit einem kleinen Team angefangen, um auch einen Eindruck zu gewinnen, wie das beim deutschen Mediennutzer ankommt. Und nach den ersten Zahlen und Statistiken bestätigt sich die Annahme, dass hier durchaus Platz und Nachfrage für einen Sender besteht, der politik- und medienkritisch – auch wenn Sie das eine Attacke nennen – agiert und der diesen Anspruch vertritt, den fehlenden Part zu liefern.

 

Herr Rodionow, abschließend: Wo sehen Sie denn RT Deutsch in einem Jahr?

Ich sehe RT Deutsch in einem Jahr als eine anerkannte Stelle, wo man sich alternativ zum Mainstream informieren kann. Wenn zum Beispiel bei den großen deutschen Medien eine Videosequenz läuft, die Putin einsam an einem Tisch beim G-20-Gipfel zeigt, warum soll bei RT Deutsch dann nicht die ganze Sequenz laufen – auch nachdem sich der Kellner zurücklehnt und man sieht, ...

 

... dass die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff mit am Tisch saß.

Oder warum soll bei uns nicht die ganze Sequenz von dem vermeintlichen prorussischen Separatisten laufen, der an der Absturzstelle von MH17 ein Plüschspielzeug hochhält. Er wurde in den ganzen deutschen Medien als böser Plünderer und hämischer, brutaler Mann dargestellt. Wir lassen dann die ganze Sequenz laufen, in der dieser Mann diesen Plüsch-Affen fast andächtig auf den Boden legt, seine Mütze abnimmt, sich bekreuzigt und ergriffen sagt: "Schauen Sie, was die hier tun. Die töten Kinder." Das wäre für mich wirklich ein klassisches Beispiel für das Gesamtbild. Und wir wollen das Gesamtbild zeigen, wenn bestimmte Stellen aus dem Kontext herausgegriffen werden, um das Gesamtbild zu verdrehen.

Iwan Rodionow, Chefredakteur von RT Deutsch
Harald Neuber

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