Weltnetz.tv -- ''Der Westen will einen unzuverlässigen Partner loswerden''

Der Nordafrika-Experte Dr. Issam Haddad spricht über Hintergründe zum aktuellen Kriegsgeschehen in Libyen, die Rolle von Oberst Muammar al-Gaddafi und die Strukturen der Gesellschaft dieses nordafrikanischen Landes
Video: 
Weltnetz.tv
Länge: 
00:13:34

Der Nordafrika-Experte Dr. Issam Haddad spricht über Hintergründe zum aktuellen Kriegsgeschehen in Libyen, die Rolle von Oberst Muammar al-Gaddafi und die Strukturen der Gesellschaft dieses nordafrikanischen Landes

Der Nordafrika-Experte Issam Haddad erklärt im Interview mit weltnetz.tv-Redakteur Harald Neuber die Hintergründe des Krieges in Libyen. Die inneren Konflikte seien, so Haddad, in erster Linie ein Resultat der postkolonialen Ordnung. Im Zuge der Loslösung von den europäischen Fremdherrschern Mitte des 20. Jahrhunderts seien künstliche Nationalstaaten entstanden. Andres als Länder wie Kuba, Vietnam oder China habe es in diesen neuen arabischen Staaten jedoch keine Vision und damit keine gesellschaftliche Festigung gegeben.

Innerhalb von Libyen hat sich die von Clans dominierte Gesellschaft sehr unterschiedlich entwickelt, führt der Experte aus. Besonders nach einer Revolte gegen Gaddafi und den revolutionären "Bund der freien Offiziere" in der ersten Hälfte der 1970er Jahre habe die Führung mit brutaler Repression gegen die Gegenspieler in diesem Gesellschaftssystem reagiert. Die Aufständischen und ihre Unterstützer im Westen versuchen nun, diesen über Jahrzehnte hinweg gewachsenen Unmut zu bündeln. Es gebe also klare politische, jedoch keine primär wirtschaftlichen Gründe des Krieges. Dies sei ein entscheidender Unterschied zu Ägypten und Tunesien.

Die westlichen Staaten, die hinter dem Angriff auf die Gaddafi-Führung stehen, versuchten indes den politischen Trend in der Region zu nutzen, um mit Gaddafi einen "unzuverlässigen Partner" zu beseitigen. Schließlich, so bestätigt Haddad, finden sich unter libyschen Boden mit die größten Erdöl- und Erdgasvorkommen des afrikanischen Kontinents. 

Dennoch hält der Experte den Ausgang des Krieges für ungewiss. Nachbarstaaten wie Algerien und Marrokko hätten kein Interesse an einem Sturz Gaddafis, weil dies islamistischen Kräften in der gesamten Region massiven Aufschwung bereiten würde. Beide Länder haben deswegen ihre Grenzen geöffnet, damit Gaddafis Kräfte leichter mit Nachschub versorgt werden können. Haddad weiter: "Eine Destabilisierung Libyens würde für Europa einen Krieg ohne Ende bedeuten und Afrika brodeln lassen." (Harald Neuber, Weltnetz.tv)

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