Weisses Städtchen

Dokumentation über den Arbeitskampf polnischer Krankenschwestern 2007.
Produktion: 
Roberta Kowalskiego / Magdalena Mosiewicz / Pawel Delís
Länge: 
00:36:39

"Die Streiks der polnischen Krankenschwestern haben in Polen und in der gewerkschaftlichen Linken Europas Furore gemacht. In der breiteren Öffentlichkeit der sozialen Bewegungen sind sie jedoch weitgehend unbekannt geblieben. Die Belagerung des polnischen Parlamentes durch ein Protest-Camp („Weißes Städtchen“) ohne Unterstützung der großen Gewerkschaftsbünde im Jahre 2007 hat ihnen große Sympathien in der Bevölkerung und die Solidarität des kämpferischen Gewerkschaftsflügels verschafft –  und sie in Polen mit an die Spitze der sozialen Kämpfe in den letzten Jahren gestellt." (Norbert Kollenda)

Deutsche Uraufführung

Quelle und Untertitel: labournet.tv

 

Aus dem Klappentext zum Film „Das Weiße Städtchen“

 

Am 19. Juni 2007 kam der Demonstrationszug der Beschäftigten des Gesundheitswesens bei der Kanzlei des Premierministers in der Warschauer Ujazdowska Allee an. Im Namen zehntausender Demonstrant/innen und aller Beschäftigten des Gesundheitswesens wollten die Vertreter/innen von Gewerkschaften der Ärzte und Krankenschwestern dem Premierminister Jaroslaw Kaczynski eine Petition überreichen. Sie wurden von ihm jedoch nicht empfangen, obwohl das Treffen rechtzeitig verabredet und die Demonstration genehmigt war, und obwohl es brennende Probleme im Gesundheitswesen zu behandeln gab.

 

Die vier Krankenschwestern vom Landesvorstand der Krankenschwestern und Hebammen (OZZ PiP) Dorota Gardias, Iwona Borchulska, Longina Kaczmarska und Janina Zaraś entschlossen sich, das Gebäude der Kanzlei des Premiers nicht zu verlassen bis der Premier zu dem verabredeten Treffen erscheinen würde. Sie warteten dort im Zimmer Nr. 7 eine Woche, schliefen zwischen den Papieren auf dem Fußboden oder auf Stühlen. Ihre Telefone wurden blockiert, sie wurden abgehört, nachts geweckt und psychischem Druck ausgesetzt. Polizei und Spezialeinheiten hatten jedoch davon abgesehen mittels Gewalt dieser Besetzung des Zimmers Nr. 7  ein Ende zu machen. Gegen die Gruppe der Krankenschwestern vor dem Gebäude wurde jedoch am Morgen des 20.Juni Gewalt ausgeübt, eine Polizeikette drückte um 7.19 Uhr die protestierenden Krankenschwestern gewaltsam von der Fahrbahn auf den Rasen gegenüber dem Sitz des Premiers. Dieser Vorgang führte jedoch zu einer lawinenartigen Gegenreaktion: Noch am gleichen Tag entstand hier, direkt gegenüber der Kanzlei des Premierministers Kaczynski ein Zelt-Städtchen. Es bestand 27 Tage. Tag für Tag seiner Existenz fand in Erinnerung an das gewaltsame Vorgehen der Polizei zur 19. Minute nach jeder vollen Stunde die „Aktion ‚Wir wecken das Gewissen der Regierung’“ statt, um durch großen Lärm die Regierung an ihre ungelösten Aufgaben und ihre gebrochenen Versprechen zu erinnern.

 

Das „Weiße Städtchen“ bestand aus 150 Zelten, 10.000 Menschen besuchten es. Das Städtchen hatte seine eigene Regierung, eigene Ordnungskräfte, eigene Universität, Konzerte und eine tägliche kostenlose Zeitung. Das „Weiße Städtchen“ wurde zu einem einmaligen Zentrum des gesellschaftlichen Lebens von Warschau, mit Lesungen und Diskussionen, neue entstandenen Freundschaften, Begegnungen von Menschen, Gruppierungen und Angelegenheiten. Nach Auffassung von Soziolog/innen und Journalist/innen hatte „das Städtchen“ das Phänomen des Gemeinsinns in der Bürgergesellschaft wieder geweckt. Und in die Aktivitäten der Gewerkschaften kehrten wieder jenes Charisma und jene Wertschätzung durch die Gesellschaft wieder, die die Pol/innen seit den Auguststreiks 1980 nicht wieder erlebt hatten.

Nach einer Woche ging der Premier endlich in das Zimmer Nr. 7, begrüßte dort den Vorstand der Gewerkschaft OZZ PiP und bat ihn zum Gespräch in sein Büro. Die Krankenschwestern verließen am gleichen Tag den Sitz des Premiers.

Der Film beginnt einen Tag später mit dem Treffen der Leiterinnen des Protestes, auf dem sie die weiteren Protestformen planen.

 

 

 

 

Quelle: GiB (Gemeingut in BürgerInnenhand)

Dokumentation über den Arbeitskampf polnischer Krankenschwestern 2007

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